
29.09.2025
Die E-ID kommt. Das Vertrauen fehlt.
Am 28. September 2025 stimmt die Schweiz für die Einführung einer digitalen Identität – mit hauchdünner Mehrheit: 50,39 Prozent.
Ein historischer Schritt. Und doch kein Moment des Aufbruchs. Sondern ein Signal: Das Vertrauen in staatlich gesteuerte Tech-Systeme ist fragil.
Offiziell heißt es: freiwillig, sicher, zertifiziert. Die E-ID soll den Zugang zu Behörden, Banken, Unternehmen erleichtern. Zentral über die App „Swiyu“. Doch die Abstimmung zeigt: Die Bevölkerung zögert. Vor allem außerhalb der Städte. Vor allem dort, wo Nähe zum Staat nicht technokratisch klingt – sondern nach Kontrolle.
Piratenpartei, Datenschützer, Stimmen aus der Romandie – alle warnen: Die Infrastruktur mag funktionieren, aber wer sie kontrolliert, kontrolliert die Identität. Besonders pikant: Die Nähe von Swisscom zum Staat. Kritiker sprechen von einer stillen Machtkonzentration unter dem Deckmantel der Innovation.
Was bedeutet das? Die Zustimmung zur E-ID war keine Entscheidung für digitale Transformation. Sondern ein Abwägen in Unsicherheit. Und damit ein Weckruf.
Digitale Infrastruktur braucht Vertrauen – nicht nur Technik.
Der Blick nach Deutschland macht die Dringlichkeit klar: Auch dort soll bald die staatliche E-ID kommen. Ohne breite Debatte. Ohne sichtbaren gesellschaftlichen Konsens.
Aber: Wer Identität digitalisieren will, muss erst legitimieren, dann programmieren.
Die Frage ist nicht, ob wir eine E-ID bekommen. Die Frage ist: Wer bekommt Zugriff? Und wer sorgt dafür, dass Vertrauen bleibt – wenn Kontrolle digital wird?